dönüs stellt nach 20 Jahren zum Jahresende 2015 die stationäre Behandlung von Drogenabhängigen ein

dönüs blickt auf 20 Jahre stationäre therapeutische Arbeit mit Drogenabhängigen zurück. Zunächst als Spezialangebot für Abhängige mit türkisch-orientalischer Herkunftkonzipiert, haben wir uns der gesellschaftlichen Realität angepasst, und seit 4 Jahren auch Abhängigen aller Nationalitäten aufgenommen. Während der Behandlung von Menschen aus vielfältigen Kulturen haben wir gute Erfahrungen gemacht. Egal ob Türken, Italiener, Iraner, Griechen, Deutsche, Somalier, Angehörige aus dem ehemaligen Russland, um nur einige Nationalitäten beispielhaft zu nennen, alle waren mit großem Eifer dabei und haben sich sehr gut integriert und untereinander geholfen und unterstützt.

20 Jahre Kontinuität, die wir nun bedauerlicherweise nicht fortsetzen können. Von unserem Konzept sind wir nach wie vor sehr überzeugt. Die üblichen Standards wie Gruppen-, Einzel- Arbeits- und Sporttherapie sowie natürlich eine umfangreiche medizinische Behandlung zeigten gute Erfolge. Unseren Umgang mit Klienten, die nach längerer Abstinenzphase während der Behandlung erneut Suchtmittel konsumiert haben (häufig in Fachkreisen auch Rückfall genannt) halten wir für ein Modell der Zukunft, denn der erneute Konsum ist schließlich nur ein Symptom der Abhängigkeit, das natürlich während der Behandlung bearbeitet werden muss. Disziplinarische Entlassungen aufgrund Suchtmittelkonsums während der Therapie sind kontraproduktiv und als Kunstfehler zu bezeichnen.

In den letzen Jahren haben in Bayern schon mehrere Therapieeinrichtungen schließen müssen, nun hat auch uns der Wandel der Zeit"erwischt". Es ist immer schwieriger geworden von Kostenträgern Kostenübernahmen zu bekommen, die Justiz verurteilt vermehrt zum Maßregelvollzug nach § 64 StGB, mit der Folge, dass die Bezirkskliniken völlig überbelegt sind. Auch in der Drogenszene haben Veränderungen stattgefunden, in Deutschland gibt es ca. 70.000 Subtituierte, von denen viele dem "Therapiemarkt" fehlen. Hinsichtlich der konsumierten Substanzen hat sich einiges verändert, genannt sei hier nur Methamphetamin, dessen Konsumenten nur schwer in die bestehenden Therapiesysteme integriert werden können.

Es fällt auf, dass von den Schließungen vor allem kleine Einrichtungen, die häufig den Charakter einer therapeutischen Wohngemeinschaft und eine familiäre Atmosphäre haben, betroffen sind. Es ist zu befürchten, dass nur die großen Kliniken mit deutlich über 100 Betten übrig bleiben werden. Wir bezweifeln, dass dies der richtige Ansatz ist, denn viele der Konsumenten von Suchtmitteln werden sich nur in einer Einrichtung, in der jeder jeden kennt und in der ein familiäres Klima zu ihrem Vorteil herrscht, entfalten können.

Wir möchten nicht versäumen uns bei allen Kooperations- und Interessenspartnern zu bedanken, allen voran der DRV Nordbayern als federführendem Kostenträger, bei allen anderen Kostenträgern, ARGE, Jobcenter, Ausländeramt, Beratungsstellen, Sozialdienste der Justizvollzugsanstalten, Rechtsanwälten, dem türkischen Generalkonsulat Nürnberg, aber auch bei denen aus Politik und Wirtschaft. Ohne deren, zum Teil große Unterstützung, wäre es unsere erfolgreiche Arbeit nicht möglich gewesen.